Von Anfang an Alten- und Pflegeheim - Haus Phöbe blickt auf 65 Jahre

(Juli 2017)

Von Anfang an Alten- und Pflegeheim - Haus Phöbe blickt auf 65 Jahre (Juli 2017)

„65 Jahre ein Alten- und Pflegeheim zu sein, ist was Besonderes.“ Darüber waren sich Heimleiterin Christiane Vößing (2.v.l.), Pfarrer Karl-Ludwig Wendrich (2.v.r.) und die Bewohnerinnen Maria Schulte, Helgard Boge und Bewohner Karl-Josef Scheideler (v.l.n.r.) einig.

„Im Unterschied zu heute kamen auch alte Menschen nach Deutschland“, erzählte Pfarrer Karl-Ludwig Wendorff von der Evangelischen Kirchengemeinde Altwarburg zur Situation nach dem Zweiten Weltkrieg. „Es waren Vertriebene und Geflüchtete, die auf dem Lande sich ansiedelten.“

Diese Situation war der Grund für die Überlegung, in der heutigen Bühlstraße 43 in Warburg-Rimbeck ein Alters- und Pflegeheim für Heimatlose, Vertriebene und Hilfsbedürftige zu errichten.
Auf einem Grundstück an der Bundesstraße, das bis 1952 nur landwirtschaftlichen Zwecken diente, wurde am 6.6.1952 mit dem Bau des Alters- und Pflegeheimes begonnen.

Nach reiflichen Überlegungen wurde das Grundstück der Evangelischen Kirchengemeinde Scherfede-Westheim als Bauplatz gewählt. Die Finanzierung war durch Zusage verschiedener staatlicher und kirchlicher Stellen gesichert.

Bis 2009 war die Kirchengemeinde Trägerin der Einrichtung, dann gab sie diese Verantwortung an die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen ab. „Das ist uns nicht leicht gefallen“, betonte Pfarrer Wendrich, der seit 1999 in der Gemeinde tätig ist. „Aber für uns war das Ganze nicht mehr zu stemmen.“

Durch die Völkerwanderung, die der Zweite Weltkrieg verursachte, kamen viele Menschen aus dem Osten und Westen in den heutigen evangelischen Kirchenkreis Paderborn. Die Zahl der evangelischen Einwohner, die 16.000 vor 1939 betrug, vervierfachte sich hierdurch auf fast 60.000. Großes Elend herrschte unter den vielen sog. Vertriebenen und Geflüchteten bis in die 1950er Jahre hinein, hervorgerufen durch die Hoffnungslosigkeit, die vielfach mangelhaften Wohnverhältnisse und das zerstörte Familienleben. Besonders gefährdet war die heranwachsende Jugend, da Arbeit fehlte.

Die Evangelische Kirchengemeinde mit seinen damals fast 2.000 Mitgliedern sah die Not und nahm sich ihrer an. Das 1952 geplante Heim in Scherfede-Rimbeck sollte über 70 alleinstehende Alte und Kranke ein Zuhause bieten. Gleichzeitig sollte es dadurch als neue Ausbildungsstätte für Menschen, als Pflegevorschule dienen, da die Betreuung im Haus ein großes Betätigungsfeld bot. Damit mussten die an Diakonie interessierten Menschen ihre Ausbildung nicht in Bielefeld-Bethel vornehmen. Angebote für Jugendliche wurden ebenfalls Raum geboten, da das Kirchhaus und die Alte Schule der Gemeinde zu klein geworden waren.

Längst ist vieles heute Geschichte: die Jugendangebote finden andernorts statt, benötigte die Pflegevorschule mehr Räumlichkeiten und zog 1960 zum Zionsberg um.
„Heute leben bei uns 68 Frauen und Männer mehrheitlich im Alter zwischen 80 und 90 Jahren“, erläutert Christiane Vößing, Heimleiterin. Sie kam 1990 ins Haus Phöbe. „Damals waren ein großer Teil der Bewohner nicht im Rentenalter“, erinnert sie sich. Ein Wohnheim für Menschen mit psychischen Behinderungen war aufgelöst worden und etwa 20 Menschen zogen in Haus Phöbe ein. „Der Anteil an Männern nimmt bei uns in den letzten Jahren zu“, stellt sie fest. Etwa 1/3 seien es jetzt. „Es ist etwas Besonderes von Anfang an als Alters- und Pflegeheim erdacht worden zu sein“, ergänzt sie. „Wir verfügen über 65 Jahre Kompetenz auf diesem Gebiet und wissen uns auf Veränderungen der Rahmenbedingungen immer wieder gut einzustellen.“

 

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